Heilkräuter ‐ Wunderbare Wirkkräfte aus der Natur
Woher die Menschen erste Kenntnisse über Heilpflanzen erhielten, lässt sich heute nicht mehr exakt nachvollziehen. Sicher spielten die genaue Beobachtung von Wirkungen bei der Anwendung und beim Verzehr, aber auch das Beobachten von Tieren, die instinktiv auf Pflanzen reagieren, eine große Rolle.

Historie
Funde von Kräutersamen in steinzeitlichen Siedlungen Europas weisen auf einen frühen Anbau von Kräutern hin. Viel Wissen wurde vorerst mündlich weitergegeben. Erste schriftliche Belege über die Anwendung von Heilkräutern stammen aus dem Jahr 3.700 v. Chr.
Inzwischen sind die Wirkstoffe der Pflanzen isoliert betrachtet und wissenschaftlich untersucht worden. Bis heute verlässt sich die Schulmedizin bei etwa einem Viertel ihrer Medikamente auf die natürlichen Wirkstoffe aus Pflanzen.

Kräuter sammeln
Neben den angebauten Kräutern aus Gärten findet man ein noch
größeres Spektrum verschiedener Heilpflanzen direkt in der Natur.
Sammeln Sie nur Kräuter, die Sie sicher erkennen und deren Wirkung Sie sicher wissen. Um Verwechslungen auszuschließen, sind fundierte Kenntnisse in der Bestimmung der Pflanzen wichtig. Sind Sie unsicher, ziehen Sie Heilkräuterkundige zu Rate. Bitte beachten Sie, dass Heilpflanzen-Anwendungen die Abklärung von Krankheiten durch einen Arzt oder Heilpraktiker ergänzen, aber nicht ersetzen können.
Die besten Stellen, um Wildkräuter zu sammeln, befinden sich weitab von Straßen. Sammeln Sie nur so viele Pflanzen bzw. Pflanzenteile, wie Sie auch tatsächlich benötigen. Ein kleiner Korb hilft beim schonenden Transport.
Die günstigste Zeit zum Sammeln von Kräutern oder Blüten sind die Vormittagsstunden an trockenen, sonnigen Tagen. Zu dieser Zeit ist der Gehalt an ätherischen Ölen besonders hoch. Verwenden Sie Kräuter möglichst frisch.
Heilmittel selbst herstellen
Um die Heilkräfte von Kräutern zu nutzen, gibt es verschiedene Methoden, die Wirkstoffe anzuwenden.
Aufguss: Ein Tee ist wahrscheinlich die bekannteste Art und Weise der Zubereitung aus Heilkräutern. Dabei wird das Kraut frisch oder getrocknet mit kochendem Wasser übergossen und ziehen gelassen.
Abkochung: Möchte man die Wirkstoffe aus festeren Bestandteilen der Pflanzen gewinnen, empfehlen sich Abkochungen. Dabei setzt man ca. 25 g der kleingeschnittenen Pflanzenteile (z. B. Stängel) in einem Liter Wasser an und lässt es so lange kochen, bis etwa ein Drittel der Flüssigkeit verkocht ist.
Sirup: Aus einer Abkochung lässt sich unter Zugabe von Honig oder Rohrzucker (500 g auf 500 ml) ein Sirup herstellen. Durch den Zuckeranteil erhöht sich die Haltbarkeit der Abkochung.
Tinkturen: Für die Herstellung 200 g getrocknetes Kraut (bei frischen Kräutern ein Drittel mehr) in eine verschließbare Flasche geben und mit 1 Liter Alkohol (z. B. ca. 40 % in Korn oder Wodka) aufgießen. Die Flasche lässt man 8 bis 10 Tage bei Zimmertemperatur sonnengeschützt stehen und schüttelt den Inhalt immer wieder. Nach dem Abseihen die Tinktur in lichtgeschützte Flaschen füllen.
Tinkturen verwendet man i. d. R. verdünnt. Dabei gibt man 1 Teelöffel der Tinktur in 1 Tasse Wasser.
Salben und Öle
Durch fettlösliche Wirkstoffe in den Heilpflanzen können aus Heilkräutern Salben oder Öle hergestellt werden.
Kräuteröle: Die mit Öl bedeckten Kräuter lässt man 3 bis 6 Wochen an einem warmen Ort ziehen (regelmäßig schütteln). Anschließend füllt man das abgeseihte Öl in lichtgeschützte Flaschen und lagert es dunkel und kühl.
Salben: Als Grundlage für Salben eignen sich die selbst hergestellten Kräuteröle. Sie werden erhitzt und Wollfett oder Kakaobutter und Bienenwachs darin geschmolzen und verrührt. Wenn alles geschmolzen ist, in saubere Tiegel abfüllen und abkühlen lassen, dann mit einem Deckel verschließen.
Umschläge und Kompressen: Die Kräuter lässt man vor der Anwendung ca. 2 Minuten in wenig Wasser köcheln. Anschließend legt man die noch warmen, ausgedrückten Kräuter auf und verhindert mit einer Mullbinde das Verrutschen. Ein solcher Umschlag kann bis zu 3 Stunden auf der Haut bleiben.
Bei Kompressen wirkt ein mit Kräuterlotion getränktes Tuch 1 bis 2 Stunden direkt auf der Haut. Vorsicht bei Senfölen!