Pflanzen der Bibel ‐
Göttliches Grün und symbolische Kraft
Als „Pflanzen der Bibel“ bezeichnet man die Flora des Nahen Ostens, insbesondere die Pflanzenwelt der Region Palästinas. Der kleine Landstrich zwischen dem Mittelmeer und den Wüsten der arabischen Halbinsel ist u. a. durch seine Fruchtbarkeit eine der ältesten Siedlungsregionen der Menschheit. Das mediterrane Klima und die abwechslungsreiche Topografie bieten auch einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzengesellschaften seit langer Zeit Heimat.

Historischer Hintergrund
Neben der Haltung von Schaf- und Ziegenherden wurde im östlichen Mittelmeerraum hauptsächlich Landwirtschaft betrieben. Obst und Getreide waren die Hauptprodukte. Kulturpflanzen wie Gerste, Weizen und Emmer, Hülsenfrüchte wie z. B. Linsen, Erbsen, Kichererbsen und Saubohnen, aber auch Fruchtbäume wie Ölbäume (Olivenbaum), Weinstöcke, Feigenbäume, Johannisbrotbäume, Mandel- und Nussbäume wurden angepflanzt und genutzt. Gemüse- und Würzpflanzen bereicherten das Speisenangebot.
Zählt man die Bibelstellen, in denen Pflanzen benannt werden, kommt man auf Erwähnungen von über 100 verschiedener Arten. Die meisten Pflanzen, die in der Heiligen Schrift beschrieben sind, hatten eine wichtige Bedeutung für die Menschen jener Zeit. Viele davon sind Heilkräuter oder essbare Wildpflanzen. Einige der uns heute bekannten Küchenkräuter erhalten in der Bibel auch die Bezeichnung „Bittere Kräuter“. Ihre Verwendung symbolisierte die Bitterkeit der ägyptischen Sklaverei für die Israeliten. Auch Heil- und Gewürzpflanzen wie Minze, Kümmel und Dill wurden bereits in biblischen Zeiten verwendet und als besonders wertvoll gehandelt – sie wurden sogar für Abgaben wie den Zehnten anerkannt.
Die sieben Pflanzen des Heiligen Landes
Vor allem sieben Pflanzen kommen in der Bibel eine wichtige Bedeutung zu. Es sind die „sieben Arten“, die die Kinder Israels nach vierzig Jahren des Suchens in der Wüste im Gelobten Land vorfanden. Sie stehen daher für den Segen Gottes.
Weizen (Triticum aestivum) und Gerste (Hordeum vulgare) waren wichtige Nahrungsquellen. Gerste diente nach Aussagen der Bibel hauptsächlich als Tierfutter oder galt als das Getreide der Armen. Dreimal so wertvoll war Weizen.
Der Ölbaum (Olea europaea) ist der symbolträchtigste Baum der Bibel. Er steht für Hoffnung und neues Leben und gilt bis heute als Symbol des Friedens. Das Öl seiner Früchte wurde als Nahrungs-mittel, als Salböl für Könige und Priester, aber auch als Brennstoff in Tonlampen genutzt.
Der Weinstock (Vitis vinifera) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Er wird neben dem Ölbaum am häufigsten in der Bibel erwähnt. Einen Weinberg zu besitzen bedeutete einst Reichtum und Segen.
Der Granatapfel (Punica granatum) steht wegen seines Samenreichtums für Fruchtbarkeit, für Schönheit, Liebe und Lieblichkeit. Neben den schmackhaften Früchten wurde früher auch Granatapfelmost genossen.
Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) war wichtiger Nahrungs- und Rohstofflieferant für die Wüstenvölker. Man verwendete Blätter, Fasern, Holz und Früchte. Dieser Baum symbolisiert sowohl Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit als auch Heiligkeit und Auferstehung.
Die Feige (Ficus carica) ist die erste namentlich erwähnte Pflanze in der Bibel. Sie wurde besonders wegen ihrer süßen Früchte geschätzt. Unter einem Feigenbaum zu sitzen galt als Zeichen des Friedens und des Glücks.
Wiegen mit Naturmaß
Johannisbrotbäume waren neben der Erzeugung von Nahrungsmitteln auch aus einem anderen Aspekt für die alten Völker der Bibel wichtig: Man benutzte die Samenkörner zum Wiegen. Die Körner aus den Schoten des Baumes wiegen alle gleich viel – ziemlich genau 0,2 Gramm. So wurden sie früher als Gold- und Juwelengewichte verwendet.
Etymologisch leitet sich die Bezeichnung „Karat“ von der lateinischen Bezeichnung des Johannisbrotbaums ab (Ceratonia siliqua). Bis heute gilt die Einheit Karat für Edelsteine (1 Karat = 0,2 g).