Unser Kloster­garten ‐
Geschichte, Heil­kunst und Erholung


Die Bezeichnung „Garten“ – aus dem Germanischen gardon – geht auf den indogermanischen Wortstamm ghortós zurück, was sinngemäß für „Umzäunung, Einfriedung, Geschlossenes“ steht. Bis heute sind Gärten zumeist durch Zäune oder Hecken abgegrenzte Flächen, die neben der Möglichkeit der Erholung vor allem der Kultivierung von Nutz- und Zierpflanzen dienen.

Der Garten ‐ ein besonderes Stück Erde

Die ersten Gärten entstanden im Zuge der Sesshaftwerdung des Menschen in der Jungsteinzeit. Während zuvor nomadische Gruppen weiterzogen, wenn die Nahrungsgrundlagen erschöpft waren, führten die neolithische Revolution und der Beginn der Landwirtschaft zu einem festen Siedlungsleben.

Um überlebenswichtige Nutzpflanzen zu schützen, grenzte man bestimmte Flächen ab und sicherte sie durch Umzäunungen. Aus diesen Schutzmaßnahmen entwickelte sich allmählich das Bedürfnis, die Natur nicht nur zu bewahren, sondern auch zu gestalten – bis hin zum Streben nach einer „zweckdienlichen und dem Menschen gefälligen Ordnung“. Besonders deutlich wurde dies später in den geometrisch strukturierten Gartenanlagen der Klöster.

Entwicklung der Kloster­gärten

Im Mittelalter orientierten sich Klöster vor allem an Gartenstrukturen der römischen Landvillen. Klostergärten entstanden und spiegelten die harmonische Weltordnung durch Anlagen in regelmäßigen, geometrischen Mustern wider. Hinter hohen Mauern oder undurchdringlichen Hecken entstanden umfriedete Nutzgärten.

Ein solcher „hortus conclusus“ diente den Klosterbewohnern durch seine Abgeschiedenheit als Rückzugsort. Wurden Pflanzen in größerem Maße angebaut, rodete man dafür Wälder. Benediktiner, aber auch Zisterzienser, brachten durch Urbarmachung von Land den Gartenbau voran und sorgten für die Kultivierung und Verbreitung von Pflanzen.

Kloster­gärten als Wissens­quelle

In Europa waren es vorrangig die Klöster, die Wissen über Pflanzen sammelten und verbreiteten. Vor allem die Nutzung der Kraft von Heilkräutern wurde in Klöstern erforscht und angewendet. „Gott bringt aus Erde Heilgewächs hervor, und wer vernünftig ist, verschmäht es nicht.“ (Sirach 38,4)

Die Niederschriften von Benedikt von Nursia [* um 480, † 547], das Kräuterbuch des Walahfrid Strabo [* um 808, † 849] von der Insel Reichenau und der ausgeklügelte Klosterplan von St. Gallen sind Zeugnisse für diese Entwicklung. Auch Hildegard von Bingen [* 1098, † 1179] steht bis heute mit ihren Werken und vielbeachteten Schriften für das Wissen über naturheilkundliche Kräfte und Wirkungen in der Klosterzeit.

Unser Kloster­garten in Donndorf

Unser Klostergarten in Kloster Donndorf vereint historische Gestaltungselemente mit modernen Nutzungskonzepten. Teile der Gartenanlage orientieren sich an den geometrischen Strukturen barocker Gärten, während die Kräuterbeete mit ihren 16 Einzelbeeten an den St. Gallener Klosterplan angelehnt sind. Im Zuge der Umgestaltung 2021/2022 wurden zudem Hochbeete integriert – eine Anbauform, die bereits Walahfrid Strabo im 9. Jahrhundert beschrieb.

Neben seiner historischen Bedeutung spielt der Klostergarten eine
zentrale Rolle für die Erholung und Regeneration im Rahmen der Kursarbeit der Ländlichen Heimvolkshochschule. Gesundheits- und Entspannungskurse nutzen die ruhige Atmosphäre für Meditationen und Entspannungseinheiten, während Fastenkurse gezielt Kräuter aus dem Garten zur Unterstützung bestimmter Fastenprozesse einbinden. Natur- und Kreativkurse finden hier Anschauungsmaterial, Inspiration und Raum zur kreativen Gestaltung.

Mit der Einrichtung eines Kräuterlehrpfads im Jahr 2024 wurde das Angebot erweitert. Dieser steht nicht nur Kursteilnehmern, sondern auch Anwohnern, Klosterbesuchern und Touristen des Wandergebiets der Hohe Schrecke offen.

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